In sinnlichen Tiefen

KASSEL. Wenn er spielt, sitzt er meist allein auf der Bühne. Die Beine übereinander geschlagen, die Gitarre im Arm, manchmal noch die Mundharmonika um den Hals.
Gelegentlich ein Senken des Kopfes, ein leichtes Zucken der Schulter, mehr Bewegung ist nicht nötig, um seine beruhigend einfachen Klänge zu untermalen. Boris Klabunde spielt im besten Sinne von Hand gemachte Musik.

Der Berliner Jungmusiker hat sich als weit gehender Autodidakt eine eigene Spielweise angeeignet, die er nicht gern in Stilschubladen einordnet. „Singer-Songwriter beschreibt es ganz gut“, erklärt er vor dem Auftritt im Theaterstübchen. Aber eben nicht nur. Der Vergleich mit Bob Dylan oder Nick Drake ist ihm zu festgelegt, auch wenn der einzige Coversong des Abends von Dylan stammt. Etwas Folk, ein bisschen Bossa Nova und gar Einflüsse der französischen Romantik lassen sich in Klabundes Songs orten.

Sie behandeln Emotionalität mit einer gewissen Kühle. Melancholie zieht sich wie ein Schleier durch die feingliedrig-stillen Melodieverläufe und Texte mit surrealen Kurzgeschichten. Selbst Stücke wie „Atomic Green“, das Klabunde als ausgelassen, albern beschreibt, können ein Quäntchen Schwermut nicht leugnen. Die warme Stimme des Liedermachers scheint sich der Heiterkeit zu verweigern und schwelgt in „Heaven“ offen in den sinnlichen Tiefen.

Wenn in der Pause dann Marc Thiel von der Kasseler Band „Starface“ die Bühne betritt, zieht dessen satte Stimme mit der Rockballade „Sitting On A Sidewalk“ das Programm für einen Moment weg aus den ruhigen Gewässern. Mit Thiels Begleitung an der E-Gitarre erhalten auch die Stücke des Berliner Musikers nach der Pause mehr Rhythmik und Kraft. Nicht weniger melancholisch, aber bewegter. Nicht besser, nur anders und ebenso passend für die Clubatmosphäre des Theaterstübchens.

written by tanja festor
published in HNA (03/december13.)




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