Eine kleine Zimmermusik

Eigentlich sollte vor dem lokalen Stadttheater eine amuesante Vorstellung eines beruehmten Rezitators beworben werden, doch es regnet in Stroemen, und niemand will einem die aufwaendig gestalteten Flyer entreißen. Das ist somit für den Rezensenten ein perfekter Tag, sich mit Freunden auf das Cordsofa zu setzen und dem Couch-Potato-Folk von Klabunde zu lauschen. Fast überfluessig zu erwaehnen, dass sein viertes Album "Pale blossoms" zumeist mollastig ist und zum Schwaermen anstiftet. In den letzten Zuegen von "Laura" ist zeitweise nur noch ein Regenschauer und tosendes Gewitter zu hoeren, bevor es mit einem Banjo ins Nichts abdriftet.

Wer jetzt aber glaubt, hier gehe es um Melancholie in elf Akten, der taeuscht ein wenig. Die Sanftheit wird ab und an ironisch gebrochen, so durch eine Tremologitarre in "Orange dude", welches sich zu einer rasanten elliptischen Kurzgeschichte entwickelt. Und bei der Ouvertuere "One of these changes" wippen die Super Furry Animals und Nick Drake abwechselnd mit ihren Fueßen auf dem Eichenparkettboden. Bemerkenswert ist dabei nicht, dass hier wie so oft folkiger Pop zusammengebastelt wurde, sondern dass dieses Album mitten in Berlin eingespielt und produziert wurde. Und eben nicht in einem Dorf in Mittelengland oder dem kleinen Oertchen Topanga, westlich von Los Angeles, wohin sich Devendra Banhart für die Aufnahmen seines letzten Albums "Smokey rolls down thunder canyon" zurueckgezogen hat. Aber vielleicht wird Klabunde ja von seinen Berliner Wurzeln aus ein Echo in die Welt hinaus senden koennen, ohne dass er dabei sein Zimmer verlassen muss und ohne dass ihm aehnliches widerfaehrt wie einst Nick Drake.

Boris Klabunde, so sein vollstaendiger Name, hat sich mit diesem Album eine Nische in Deutschland besetzt und tat es somit den Grazern Son Of The Velvet Rat gleich, denen dies mit ihrem ausgezeichneten Werk "Loss & love" in Oesterreich gelungen ist. Die Resonanz bleibt dabei wohl zunaechst einmal gleichgueltig, vielleicht wird sein Mut aber irgendwann einmal be- und entlohnt. Doch eines ist sicher: Seine Wohnung wird er nur im Notfall verlassen, da sein Glück nur zwischen den eigenen vier Wänden zu finden ist. So schließt das fragile "Missing piece" diese erhabene und unaufgeregte Platte wieder ganz einsam: "Can see a morning light / Though still it's far behind / And I may cross a street / They're all gone."

written by carsten rehbein
published on PLATTENTESTS.DE (07/october15.)




Es ist beinahe ruehrend, wie Boris Klabunde sein inzwischen viertes Album "Pale Blossoms" herausbringt: absolut bescheiden. Er schreibt seine - uebrigens extrem zahlreichen - Gigs noch hoechstpersoenlich in seiner MySpace-Site aus, sammelt stolz die Kritiken, die ihn als "duennen weißen Dude mit Samtstimme", als Nachfolger von Nick Drake und Bob Dylan sowie als wuerdigen Vertreter der "Quiet Is The New Loud"-Bewegung à la Kings Of Convenience bezeichnen. Klabunde vertreibt seine CDs ueber eine eigene Website und wirkt auch sonst so authentisch, dass man ihn einfach nicht zerreißen will. Muss man auch nicht. Denn seine stillen Lieder sind so vielseitig wie authentisch.

Klabundes "Pale Blossoms" pendeln zwischen sanftem Bossa ("Pineaple Sundown"), einsamer, trauriger Cowboy-Musik ("If You Could Ever Be My Friend") und lockeren Indie-Stueckchen mit akustischem Rock-Appeal. Neben kleinen Schraegheiten ("New Day") gibt es melancholische Erzaehlungen mit Banjo ("Orange Dude"). Feine Popstuecke mit professionellen Streicher- oder Gitarrenarrangements ("Some Other") wechseln mit schraegen, bjoerkesken Elegien ("Laura"). Klabunde instrumentiert stilsicher und extrem sanft mit E- und akustischer Gitarre, Banjo, Cello, Spielzeugklavier, Kontrabass, Drums, Geige und suessen Stimmen. Klabunde praesentiert seine Songs auf einem schmalen Grat zwischen dem Jammertal der Melancholie und den Gipfeln schmunzelnder Selbstironie.

written by kati hofacker
published in teleschau (07/october15.)




Erhabene Songwriter-Gemuetlicheit aus Berlin

Mit bislang vier Veroeffentlichungen (davon eine Live-Platte) hat BORIS KLABUNDE sich den Ruf erspielt, der aktuell wohl ueberzeugendste hiesige Nick Drake-Ersatz zu sein. Dieser Vergleich, so nett er auch gemeint ist, deckt freilich nicht das gesamte Spektrum des Berliner Singer/Songwriters ab (schliesslich koennte man in ihm auch einen etwas weniger grummligen Kurt Wagner entdecken), gibt aber durchaus die korrekte Richtung vor. Und schliesslich gibt es auch Schlimmeres, als mit den Groessen seiner Zunft in eine Reihe gestellt zu werden.

Das aktuelle Album Pale Blossoms erscheint nun bei Kitty Solaris-Label "Solaris Empire" und wird hoffentlich auch mal fuer einen kleinen Popularitaetsschub beim Herrn KLABUNDE sorgen. Natuerlich, besonders spektakulaer fallen die elf Songs nicht aus, aber wie sollte das in diesem Genre auch gehen? Allerdings zeigen sie KLABUNDE in ganzer Bandbreite und zudem in Hoechstform. Von leicht schunklig ('Orange Dude') bis zeitlupenhaft traege ('Echo's Been Sent') ist alles wunderbar warm, aber auch angenehm sparsam instrumentiert, und insbesondere der gezielte Einsatz von Kontrabass und Cello erzeugt eine herrlich antiquierte Grundstimmung.

written by sebastian frindte
published on BANDS-IN-BERLIN (07/october15.)




Wenn KLABUNDE ganz bodenstaendig in die Saiten greift, faengt vielleicht nicht direkt das Lagerfeuer zu knistern an, aber die Holzscheite warten schon mal auf die Streichhoelzer. Zarte (aber nicht uebertrieben puristische) Arrangements inkl. Cello und Kontrabass umrahmen feine Songs, die der Langeweilefalle geschickt entfliehen. Man kann ja auch um den Kamin tanzen.

written by karsten zimalla
published in WESTZEIT (07/october12.)




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