Der Mann mit der Melancholie im Blick
Vor einigen Jahren kam der naechste Hype der britischen Musikpresse ganz leise daher. "Quiet is the New Loud" ("Leise ist das
neue Laut") hiess das Schlagwort, das auf einen Albumtitel der norwegischen Band Kings of Convenience zurueckging.
Junge Maenner, die mit nichts anderem als ihren Akustikgitarren auf der Buehne standen und traurige Lieder sangen, waren fuer
einige Monate die Helden der internationalen Pop-Szene. Boris Klabunde, der heute im Theaterstuebchen gastiert, haette gut auf
dieser Welle mitsurfen koennen, weil er auch einen sehr melancholischen Blick hat und seine Lieder voller Schwermut sind.
Aber der Berliner, der in Kassel geboren wurde, hat noch immer keinen Plattenvertrag bei einem Musikriesen unterschrieben
und vertreibt seine CDs lieber ueber die eigene Webseite. Das ist sehr sympathisch und passt zum Genre. Doch Klabunde kann
mehr als nur den traurigen Mann mit der traurigen Musik spielen. Immer wieder scheint in seinen melancholischen Texten die
Selbstironie durch.
Musikalisch ist der Autodidakt vielseitig. In seinen Liedern klingen bodenstaendiger Folk, sixties-orientierter Pop und
impressionistische Klangbilder durch. Und manchmal bittet er auch mit einem Bossa Nova auf die Tanzflaeche.
Es waere daher falsch, Klabunde mit Bob Dylan oder Nick Drake zu vergleichen, was viele Kritiker immer wieder tun. Auch wenn
der einzige Cover-Song bei seinem letzten Auftritt im Theaterstuebchen eben von Dylan stammte. Diesmal praesentiert Klabunde
die Songs seines neuen Albums "Pale Blossoms", das im Fruehjahr erscheinen soll. Allzu leise wird es uebrigens wohl nicht
werden. Neben Klabunde stehen Sammy Aloha (Gitarre), Carsten Ernst-Eigenwillig (Bass) und Lukas Piechowski (Schlagzeug) auf
der Buehne, also eine echte Band. Vielleicht ist Laut bald das neue Leise.
published in HNA KASSEL (07/february26.)
Melancholie von der suessen Sorte
Es war ein ruhiger Abend im Theaterstuebchen. Der in Kassel geborene und in Berlin lebende Boris Klabunde legte seine
Stimme vorsichtig ueber surreale Weltschmerz-Songs, sanft begleitet von Sammy Aloha an der Gitarre, Carsten Ernst-Eigenwillig
am Bass und Lukas Piechowski am Schlagzeug. Die Gaeste begleiteten den Singer-/Songwriter auf seinem Weg von der Melancholie
zur Selbstironie und zurueck und genossen die Selbstverstaendlichkeit, mit der er Sixties-Pop und Bossa Nova in bodenstaendigen
Folk mischte. "To the Sea" war eines der Lieder, in denen verschiedene Musiktraditionen harmonisch durcheinander gewirbelt wurden,
"If you could ever be my friend" driftete eher in die Cowboy-Kultur ab. So viel Verspieltheit wurde mit noch mehr Applaus belohnt.
published in HNA KASSEL (07/february28.)
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