Eigensinn und Wiederholung
GOETTINGEN. Das Rad konnte dummerweise nur einmal erfunden werden. Aehnlich sieht es - wenn man ein bisschen strenger drauf
schaut - mit Singer-/Songwriter-Pop aus. Egal was kommt, man hat es schon mal gehoert, denkt man.
Die Folk-Pop-Songs des Berliner Musikers Klabunde machen da keine Ausnahme, wenn sie mit ihren vorsichtigen Harmonien die
weltverlorene Melancholie des großen Nick Drake zitieren, in ihrer Verspieltheit an Damien Rice erinnern oder Klabundes Gesang
die aetherische Verspultheit der Stimme von Kings-of-Convenience-Saenger Erlend Oye ins Gedaechnis ruft.
Wie gesagt, der strenge Blick sieht ueberall bloß Wiederholungen; das Originaere entgeht ihm deshalb mit schoener Regelmaessigkeit.
So speist sich Klabundes Eigensinnigkeit eben gerade aus der stimmigen Komposition der zitierten Einfluesse oder daraus,
Weltschmerz mit grosser Selbstverstaendlichkeit in Selbstironie umschlagen zu lassen. Insbesondere lyrische Klischees sind fuer den
Musiker nur dann ertraeglich, wenn man sie subtil hintertreibt.
written by michael saager
published in HNA GOETTINGEN (07/february28.)
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