Ein mondaenes Café irgendwo in einer Großstadt. Schoene Menschen sitzen an kleinen Tischchen, man flirtet und trinkt Milchgetränke. Und obwohl es hier ganz herrlich wuselt, ist es, als ob die Welt in diesem Café ihren pulsierenden Atem anhaelt, mal Pause macht. Den Soundtrack liefert Boris Klabunde aus Berlin, mit Bossa, Streichern und Jack Johnson-Melodien. Wenn man nur nicht abends immer wieder los muesste!
Passt zu: dem Moment, wo fuer einen Sekundenbruchteil alles Sinn macht.
published on SPIESSER.DE (07/november)
Der Berliner Songwriter Boris Klabunde hat unter seinem Nachnamen das Album „Pale Blossoms“ (Solaris Empire/Broken Silence) veroeffentlicht. Jetzt moechten wir nicht gleich mit dem Nick-Drake-Faehnchen winken, aber dann doch irgendwie. Folkiger Filigran-Pop, wunderbar arrangiert mit Streichern und allem, was das akustische Instrumentarium hergibt. Wir stellen Klabunde erstmal unter Beobachtung.
written by albert koch
published in MUSIKEXPRESS (07/december)
Musikalisch betrachtet ist jedes Wohnzimmer ja ein virtueller Raum, der
beliebig ausgestaltet werden kann. Dass Klabunde seines nun in Berlin
stehen hat, ist deswegen auch egal, es koennte genauso gut im Odenwald
oder sonstwo beheimatet sein und am wahrscheinlichsten noch zwischen den
vielen Platten mit Americana-Musik, die Klabunde bestimmt aufmerksamer
gehoert hat als die spaeter nachgewachsenen "Quiet is the new
loud"-Bekenntnisse (aus norwegischen und sonstwie randlagigen Wohnzimmern).
Fuer sein neues Album "Pale Blossoms" tut Klabunde einfach mal so, als
saessen auf seinem Sofa Folk, Country, ein strammes Popbewusstsein und
sogar etwas Soul herum, und er tut das sehr geschickt, mit den Gitarren
und den Streicherarrangements bei den elf Stuecken dieses Albums. Die
Musik kommt dabei nie so recht aus den Puschen, weil sie das ja auch gar
nicht will, sondern sich lieber noch tiefer ins Polster druecken und
dabei zuschauen, wie eine weitere nachlaessig mitgesungene Wolke mit
melancholischer Fassung (das Cello, die Geigen!) durchs Wohnzimmer
schwebt. Das ist auf "Pale Blossoms" aber alles andere als truebsinnig.
Vielmehr klingt das wie ein Sonntagnachmittag auf der Couch mit einem
alten Breitleinwandfilm in der Glotze. So schaut es in diesem Wohnzimmer
aus. So ist diese Musik.
written by thomas mauch
published in TAZ (07/november)
"One Of These Changes" heisst der Opener auf dem neuen Album des Berliners Boris Klabunde. Und nicht nur der Titel, auch die zart-bruechige Stimme ueber sachter Gitarre und unaufdringlichen Streichern praedestiniert das Lied dazu, mit ihm durch den wandelbaren Herbst zu schlendern. Auch in den uebrigen Stuecken seiner vierten Platte "Pale Blossoms", die er uns in der Astra-Stube praesentiert, sucht der Singer-Songwriter die Schoenheit in der Melancholie. Er kombiniert Bossa-Rhythmen mit dunklem Cello und laesst Songs auch mal countryesk ausfransen. Wer jetzt wieder denkt "Leise ist das neue Laut", ja, der hat recht.
published in HAMBURGER ABENDBLATT (07/november)
Die warme Stimme des Berliner Songwriters erinnert oft an Nick Drake. Aber auch an dessen froehlicheren Zeitgenossen Kevin Ayers, wenn Boris Klabunde etwa den „Pineapple Sundown“ besingt. Verstaerkt um Drums und Kontrabass laedt der Gitarrist nun zum Record-Release-Konzert seiner aktuellen CD „Pale Blossoms“.
written by markus von schwerin
published in TIP (07/november)
Vertraeumt, ein wenig abwesend, wirkt das Coverbild: Ein Mann sitzt am aeusseren Rand eines alten Sofas ueber dem ein Landschaftsgemaelde haengt. Vor dem Sofa steht eine Rotweinflsche auf einem Tisch, der noch eine kleine Blumenvase und eine leuchtende Lampe traegt. Eine Hand ragt in das Bild, sie haelt ein Weinglas. Waere das Foto Sekunden spaeter aufgenommen worden, waere die Hand fort gewesen, haette das Glas vom Tisch genommen. ein Moment, der ewig geworden ist. Raus moechte man, in diese ferne Landschaft der Berge, oder an den Strand. Klabunde, ein Ein- Mann- Projekt, schreibt solche Texte: ueber das abwesende, ueber das, was einmal war; kurz: ueber Traeume. Und die Fragilitaet dieser Traeume, der Schmerz waehrend des Erinnerns einer alten Geliebten oder die Hoffnung an diese Liebe, spiegeln sich in den Liedern des Albums „Pale Blossoms“. Leise sind diese Songs, die beinahe ausschliesslich mit akkustischer Gitarre und Kontrabass eingespielt sind. Kleine Popperlen, gefolgt von schwelgerisch traurigen Balladen. Lieder, die die besungenen Traeume – die aehnlich blass und verblueht wie die Blueten des Albumtitels erscheinen, ueberdauern werden.
published on REVOLVER-CLUB.DE (07/november)
Die Stimme erinnert ein bisschen an Kevin Ayers, die Intonation ganz klar an Nick Drake - und der
Akzent ist ebenso deutlich ein deutscher. Boris Klabunde aus Berlin spielt sich filigran zur akustischen
durch warm arrangierten, melancholischen Folk-Pop britischer Praegungng. Five Leaves Left mit
Zuckerschock.
published in ROLLING STONE (07/november)
Wie wunderbar ist das denn? Boris Klabunde heisst der Mann, kommt aus Berlin und singt verschlafenen Singer/Songwriter-Folk-Pop zwischen James Yorkston, Nick Drake, Kings of Convenience und Bonnie 'Prince' Billy. Melancholie zwischen Weltschmerz und Ironie, zwischen schoen und schraeg, zwischen klein und schlau.
written by gerald huber
published in IN MUENCHEN (07/november)
José González hat es im Rolling Stone treffend formuliert: "Junge Maenner, die zur akustischen Gitarre weinen. Ich mag das sehr, aber ich verabscheue es auch." Dieses Zitat mag einem in den Sinn kommen, wenn man sich mit dem jungen Berliner Songwriter Boris Klabunde befasst. Denn dessen Album "Pale Blossoms" muss sich genau dieser Gefahr aussetzen, in einem schwachen Moment von der vertonten Melancholie in die Langeweile zu kippen.
Was Klabunde aber nicht weiter aus dem Tritt bringt. Er pflegt seit jeher seinen ruhigen, verspielten Folk, der auch gut in die Sixties gepasst haette. Klingt nett, tut keinem weh und saeuselt sich langsam, aber sicher ins Herz. Langweilt auch mal, aber nur selten. Das liegt vor allem an den kleinen Feinheiten in den Songarrangements: das seufzende Cello in "One Of These Changes", die Slide-Gitarre in "Orange Dude", das huepfende Banjo in "If You Could Ever Be My Friend". Seine Stimme klingt dabei, als trage er stets einen Seidenschal beim Einsingen - angenehm weich, aber auch ein wenig brav. Was durchaus fuer wunderbare Momente sorgt, wenn er z. B. sinniert: "And if god's on retirement / Who the fuck will pay his rent." So etwas sollte er sich ruhig oefter trauen - denn die besagten leicht langweilenden Momente sind genau die, in denen er sich zu sehr auf sein bewaehrtes Schema verlaesst.
written by daniel koch
published in INTRO (07/november)
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