Über die Schwere der Leichtigkeit:
Über die Schwere der Leichtigkeit (AT) - Klabunde musiziert im Wandel der Stimmung
„Es geht um Stimmungen. Gefühle, die bei mir durch Musik, ein Buch oder einen Film erzeugt werden können. In meinen Songs verwende ich vor allem Stimmung transportierende Bilder. Metaphern, die ich musikalisch aneinanderhänge. Die Kunst dabei ist für mich aber, diese Allegorien so zu wählen, dass sie auch ankommen – egal, wie“, fordern mich zwei unbeirrte Augen auf zu verstehen – die von Boris Klabunde. Und es scheint, ihm zu gelingen mit seinem New Berlin Folk, wie es neudeutsch heißt. Seit 10 Jahren musiziert er Gefühlswelten, 4 Alben entstanden, allein für das letzte spielte er 50 Konzerte in 5 Monaten, tourte durch die Schweiz, Österreich und Deutschland. Die Basis für den 30-jährigen ist und bleibt vorerst aber Berlin.
Vor fast 9 Jahren zog es den gebürtigen Kasselaner in die Hauptstadt. „Ich hatte in der Schulzeit eine Band in Kassel und habe durch sie auch mit der Musik angefangen, aber, wie das so bei Schülerbands ist, löst man sich nach einem Jahr wieder auf. Ich wollte weitermachen, aber in Singer/ Songwriter-Manier. Sowas funktioniert allerdings schlecht in Kassel, also bin ich Freunden nach Berlin gefolgt“, erinnert sich Boris. Anfangs lief die Musik noch neben dem musik- und theaterwissenschaftlichen Studium her. Das kehrte sich jedoch schnell ins Gegenteil.
Als nahezu Vollzeitmusiker erschien 2001 „Blackwater Clock“, 2002 „Mirror Microphone“, 2004 “The Big Goodbye”. 29 Lieder, die größtenteils in Eigenregie und mit Hilfe von einzelnen Musikerfreunden (Clark Nova, Fabian Caroli u.a.) verwirklicht wurden – ein My von dem, was in Klabunde schlummert. Die Idee für das letzte Album „Pale Blossoms“ (2007) war jedoch neu: ein richtiges Bandalbum sollte es werden. „Auf den ersten drei CDs unterstützte mich zwar vereinzelt eine E-Gitarre oder ein Cello, aber es waren doch Solo-Alben mit Gesang, Gitarre und eben mir. Beim vierten habe ich alle musikalischen Freunde involvieren und auch live als Band spielen wollen.“ Das klappte und schlug Wellen. Bis zum Frühjahr 2008 zierten Klabundes Wohnzimmerboden nur Tourplakate, Gastspielverträge und Staub. Er war kaum da, lebte ausschließlich Musik, selbst an konzertfreien Tagen suchte er sie im Berliner Nachtleben. Ein Leben für die Klänge.
Der Klang, der ihn in dieser Zeit am unmittelbarsten begleitete - der von „Pale Blossoms“ - war allerdings eher grüblerisch – entgegen dem, was man vermuten könnte, denkt man an eine so exzessive Zeit. „Das Album war in dieser Phase in sich stimmig, kohärent und gut. Blicke ich aber mit kritischer Distanz zurück, hatte es auch eine unheimliche Schwere.
Es hat zwar auch etwas Witziges abends zu Hause mit einer Flasche Wein zwischen Melancholie und postmoderner Selbstironie zu schwanken, aber letztendlich nimmt man dabei auch seine eigenen Probleme viel zu wichtig, sagt er, während sein Blick überzeugt an der Kaffeetasse vor sich hängenbleibt. „Und so dachte ich mir : Jetzt kann man auch mal etwas Leichtes machen.’ Nicht gleich oberflächlich, aber leicht. Und klar. Ich mag Klarheit“, schließt er unbeirrt diesen Gedanken, pausiert.
Ein Cut also – am Scheitel zwischen leicht und schwer, auch eine Frage des Ankommens, des Findens. „Wenn man sucht (was man unentwegt tut), begegnen Einem Dinge, Situationen, Menschen. Das Finden hat dann etwas mit Annehmen zu tun – vollkommen wertfrei. Ich nehme jetzt mehr an, wenn auch nicht alles. Aber ich positioniere mich und gehe vielleicht weniger aus dem Weg, als noch bei diesem Album. Auf eine ungetrübte Art, eben leicht.“ An dieser neuen Weiche bastelt Klabunde im Moment. „Aber alles noch in Kinderschuhen!“, betont er. Im Mai gibt es dafür in Berlin noch die letzten Wehen der Schwere zu hören.
written by Claudia Brockmeyer
published in BICK MAGAZINE (09/April01.)
|