Live Reviews:
Besinnliches und Buntes im Backsteinhaus
DUDERSTADT. Gut besucht war das Duderstaedter Backsteinhaus am vergangenen Sonnabend. Doch wer auf eine rauschende Party eingestellt war, wurde enttaeuscht: Drei Meister der leisen Toene, Klabunde, Fuse-Empire und Doc Blum, praesentierten von furios gespielten Akustikgitarren untermalte Lieder, ueber Liebe, Leid und die alltaeglichen Widrigkeiten. Alten Freunden wurde gedacht und in Erinnerungen geschwelgt.
"Man sollte weniger Zeit mit dem Verliebtsein verbringen", sagte der Duderstaedter Mirko Koehler, besser bekannt als Fuse-Empire. Und so klangen auch seine Lieder, bei denen er von Michael Haarhaus, alias Doc Blum, auf Gitarre begleitet wurde: Traurig, etwas wuetend aber auch ein bisschen verliebt.
Fuer optische Hingucker sorgten Videoprojektionen: Mal waren psychedelisch wabernde Farben zu sehen, mal Schnappschuesse aus dem Familienalbum. Und auch für Erinnerungen blieb Platz an diesem Abend: Mit einer ergreifenden musikalischen und filmischen Homage gedachten die Musiker ihrem verstorbenen Freund und Kollegen Nikki Sudden.
Klabunde aus Berlin stellte Songs seines neuen Albums "Pale Blossoms" vor und sorgte mit der Tremolo Gitarre fuer Wild West-Feeling. Die drei Vollblutmusiker zeigten nicht nur in ihrem perfekten Zusammenspiel, dass sie sehr gut harmonieren und ihre Instrumente beherrschen, sondern durch ihre Songs ebenso, dass auch oder gerade die leisen Toene ganz tief ins Herz treffen koennen.
written by Marie-Muise Rudolph
published in EICHSFELDER TAGEBLATT (07/March22.)
Eigensinn und Wiederholung
GOETTINGEN. Das Rad konnte dummerweise nur einmal erfunden werden. Aehnlich sieht es - wenn man ein bisschen strenger drauf
schaut - mit Singer-/Songwriter-Pop aus. Egal was kommt, man hat es schon mal gehoert, denkt man.
Die Folk-Pop-Songs des Berliner Musikers Klabunde machen da keine Ausnahme, wenn sie mit ihren vorsichtigen Harmonien die
weltverlorene Melancholie des großen Nick Drake zitieren, in ihrer Verspieltheit an Damien Rice erinnern oder Klabundes Gesang
die aetherische Verspultheit der Stimme von Kings-of-Convenience-Saenger Erlend Oye ins Gedaechnis ruft.
Wie gesagt, der strenge Blick sieht ueberall bloß Wiederholungen; das Originaere entgeht ihm deshalb mit schoener Regelmaessigkeit.
So speist sich Klabundes Eigensinnigkeit eben gerade aus der stimmigen Komposition der zitierten Einfluesse oder daraus,
Weltschmerz mit grosser Selbstverstaendlichkeit in Selbstironie umschlagen zu lassen. Insbesondere lyrische Klischees sind fuer den
Musiker nur dann ertraeglich, wenn man sie subtil hintertreibt.
written by Michael Saager
published in HNA GOETTINGEN (07/February28.)
Melancholie von der suessen Sorte
Es war ein ruhiger Abend im Theaterstuebchen. Der in Kassel geborene und in Berlin lebende Boris Klabunde legte seine
Stimme vorsichtig ueber surreale Weltschmerz-Songs, sanft begleitet von Sammy Aloha an der Gitarre, Carsten Ernst-Eigenwillig
am Bass und Lukas Piechowski am Schlagzeug. Die Gaeste begleiteten den Singer-/Songwriter auf seinem Weg von der Melancholie
zur Selbstironie und zurueck und genossen die Selbstverstaendlichkeit, mit der er Sixties-Pop und Bossa Nova in bodenstaendigen
Folk mischte. "To the Sea" war eines der Lieder, in denen verschiedene Musiktraditionen harmonisch durcheinander gewirbelt wurden,
"If you could ever be my friend" driftete eher in die Cowboy-Kultur ab. So viel Verspieltheit wurde mit noch mehr Applaus belohnt.
published in HNA KASSEL (07/February28.)
In sinnlichen Tiefen
KASSEL. Wenn er spielt, sitzt er meist allein auf der Bühne. Die Beine übereinander geschlagen, die Gitarre im Arm, manchmal noch die Mundharmonika um den Hals. Gelegentlich ein Senken des Kopfes, ein leichtes Zucken der Schulter, mehr Bewegung ist nicht nötig, um seine beruhigend einfachen Klänge zu untermalen. Boris Klabunde spielt im besten Sinne von Hand gemachte Musik.
Der Berliner Jungmusiker hat sich als weit gehender Autodidakt eine eigene Spielweise angeeignet, die er nicht gern in Stilschubladen einordnet. „Singer-Songwriter beschreibt es ganz gut“, erklärt er vor dem Auftritt im Theaterstübchen. Aber eben nicht nur. Der Vergleich mit Bob Dylan oder Nick Drake ist ihm zu festgelegt, auch wenn der einzige Coversong des Abends von Dylan stammt. Etwas Folk, ein bisschen Bossa Nova und gar Einflüsse der französischen Romantik lassen sich in Klabundes Songs orten.
Sie behandeln Emotionalität mit einer gewissen Kühle. Melancholie zieht sich wie ein Schleier durch die feingliedrig-stillen Melodieverläufe und Texte mit surrealen Kurzgeschichten. Selbst Stücke wie „Atomic Green“, das Klabunde als ausgelassen, albern beschreibt, können ein Quäntchen Schwermut nicht leugnen. Die warme Stimme des Liedermachers scheint sich der Heiterkeit zu verweigern und schwelgt in „Heaven“ offen in den sinnlichen Tiefen.
Wenn in der Pause dann Marc Thiel von der Kasseler Band „Starface“ die Bühne betritt, zieht dessen satte Stimme mit der Rockballade „Sitting On A Sidewalk“ das Programm für einen Moment weg aus den ruhigen Gewässern. Mit Thiels Begleitung an der E-Gitarre erhalten auch die Stücke des Berliner Musikers nach der Pause mehr Rhythmik und Kraft. Nicht weniger melancholisch, aber bewegter. Nicht besser, nur anders und ebenso passend für die Clubatmosphäre des Theaterstübchens.
written by Tanja Festor
published in HNA (03/December13.)
Trauer, Düsternis und Schmäh
Das Leiden hat viele Gesichter. Zwei davon konnte man am Sonntagabend im Nörgelbuff kennenlernen: Clark Nova und Klabunde, beides Musiker aus Berlin, überzeugten auch den fröhlichsten Besucher davon, dass Melancholie immer noch die adäquateste Stimmung für die Zeit um den Herbstanfang ist.
Den Auftakt des Konzerts macht Klabunde, der einen "Anti-Love-Song" nach dem anderen singt. Ein Songwriter, wie er im Buche steht, mit Zupfgitarre und Flügelmundharmonika. Stimme, Intonation und Frisur erinnern stark an Donovan. Die melancholische Grundhaltung wird durch dunkele Hose und braunes Samtjackett unterstützt. Nur ein rotes T-Shirt scheint anzudeuten, dass die Lebendsfreude noch nicht ganz aus dem schmalen Körper gewichen ist. "Won't you sleep accross the river", singt er traurig oder "Can't you see the hidden sun?". Aber irgendwie scheint er auch politisch interessiert zu sein. "Jetzt singe ich ein Lied über alkoholfreies Bier und im weitesten Sinne über Atomkraftwerke", lautet eine seiner Ansagen. In einem anderen Lied beschäftigt ihn die Rentendebatte. Er fragt, wer denn für Gott die Rente zahlt. Ein kleiner Umschwung scheint sich anzubahnen, als Clark Nova mit halbakustischr Gitarre die Bühne betritt und jetzt zu zweit musiziert wird. "Summerdays" heißt der vielversprechende Titel, und wirklich geht es etwas schneller und swingender zur Sache. Aber nur ein Lied lang reicht der Spaß. Danach spielen die beiden wieder traurige Songs, die von ihren unerfüllten Sehnsüchten handeln. Mitten in einem der Lieder klingelt plötzlich das Handy von Klabunde und sorgt für allgemeine Erheiterung.
Als Clark Nova dann allein singt, wird es eine Spur härter. Seine Lieder wechseln zwischen der Düsternis eines Nick Cave und dem Leiden von Johnny Cash. Man fragt sich, ob ein Mann Anfang Zwanzig schon so viel Schmerz, so viel Zynismus und so viel Resignation in sich tragen kann, wie er es offensichtlich zur Schau stellt.
Nichtsdestotrotz - seine Stimme ist wunderschön, er selbst so drin in seiner Musik, dass man sich sofort die CD kaufen möchte, um sie für die zukünftigen schweren Schicksalsschläge parat zu haben. Als Mirko von Fuse-Empire hinzukommt und mit E-Gitarre und Effektgerät sphärische, entrückte Töne erklingen lässt, ist man vollends in einer melancholischen Stimmung gefangen, aus der man jetzt aber gar nicht mehr herauskommen möchte. Fehlt nur noch, dass sie "Spiel mir das Lied vom Tod" anstimmen. Tun sie aber nicht.
written by Ina Boesecke
published in GOETTINGER TAGEBLATT (03/September09.)
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